Ich liebe ganz besonders an Gedichten, dass durch wenige Worte Atmosphäre, Stimmung,
Gefühle, Fakten übermittelt werden können. Es ist ein reizvolles kreatives Spiel mit einem nicht zu
unterschätzenden Machtfaktor, der durchschimmert bei der Arbeit und bewusst macht, welche
Kraft in Worten steckt. Takt (Metrum), Rhythmus, Klang, Stilmittel unterstreichen die Wirkung der
Worte in eine Richtung, die lenkbar ist. Mit dieser Tonalität trifft das Gedicht - wenn es gelingt -, die
Leserschaft/Hörerschaft auf der Empfindungsebene und dann auf der Verstandesebene. Wie in
einer Schwingung. Im besten Fall wird so die Essenz, der umfassende Sinn spürbar, fühlbar
verstanden. Und Verstehen ist hier kein Stereotyp, vielmehr ein variantenreiches Verstehen von
Person zu Person, ein Verstehen, das ebenso in Schwingung geschieht. Damit wird es spannend
zu erfahren, wie einzelne Rezipienten das Gedicht aufnehmen, ihren persönlichen Sinn erkennen.